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Großmutters Delikatessen: Teltower Rübchen

Jahrelang galt diese regionale Spezialität aus der märkischen Stadt Teltow am südlichen Stadtrand von Berlin als verschollen, obwohl der Feinschmecker Johann Wolfgang von Goethe die zarten, schmackhaften Rübchen als „feinste Rübenart und Leckerbissen“ schätzte und der Dichter Theodor Fontane die Spezialität in höchsten Tönen lobte.

Jetzt haben Bauern der Region die Rübchen wiederentdeckt, und eine süddeutsche Züchterfirma hat den Erhalt der brandenburgischen Abart der berühmten französischen „Navets“ gesichert.

Geschichtlich interessant

Im 13. Jahrhundert, zur Zeit der Landnahme in der Mark Brandenburg, siedelten sich Bauern an, denen Rüben schon bekannt waren. Sie fanden hier in einem Landschaftsgebiet, das man „den Teltow“ nannte, den sandigen Boden vor, den diese kleinen Rüben bevorzugen.

Bald wurde die besonders wohlschmeckende, sehr kleine Rübenart mit dem Namen der Stadt Teltow verbunden. Der Winzling war bei Feinschmeckern sehr begehrt und wurde bis nach Lissabon verschickt, wo sich wohlhabende Leute einen solchen Aufwand für den Verzehr dieser Delikatesse leisten konnten.

Dort, wo die Rüben wuchsen, waren sie ein bäuerliches Nahrungsmittel. Napoleon machte die „navets de teltow“ in französischen Adelskreisen tischfein, und alle lobten den pikanten Geschmack sehr.

Ein Jahrhundert später brachten Teltower Bauern die kleinen, kegelförmigen Rüben tonnenweise in den Handel, insbesondere nach Berlin, wo die Rüben zum Volksnahrungsmittel wurden. Die relativ geringe Erntemenge und die aufwändige Erntetätigkeit fiel nicht so ins Gewicht, weil man den Anbau als Folgekultur nach der Roggenernte betrieb und es ausreichend billige Arbeitskräfte gab. Die Ernte zog sich über den ganzen Herbst hin, sodass die Rübchen noch als Beilage für den Weihnachtsbraten zur Verfügung standen.

Mit der Ansiedlung von Industrie im ländlichen Raum wurden die Arbeitskräfte knapp. Keiner wollte mehr die breit ausgesäten Rübchen einzeln heraushacken, zumal man dabei auf Knien über das Feld rutschen musste. Mechanisierung war gefragt, doch gleichzeitig änderte sich die Landwirtschaftsstruktur, und die kleinen bäuerlichen Betriebe wurden in großen Genossenschaften zusammengefasst, die großflächig anzubauende Kulturen bevorzugten.

Nur Hobbygärtner kultivierten diese inzwischen zur Rarität gewordenen kleinen Rüben noch. Ihnen ist es zu verdanken, dass der 300-jährige Fortbestand dieser Rübensorte nicht abriss. Inzwischen haben sich über den Teltower Heimatverein Betriebe zusammengeschlossen, die seit 1999 den Markt in der Region Berlin wieder mit einem großen Angebot von Teltower Rübchen bedienen.

Herbstanbau

Obwohl man die nur 6 bis 8 cm langen, dickbauchigen, weißen Rübchen das ganze Jahr über anbauen und sogar in feuchtem Sand über viele Wochen lagern kann, werden sie meistens als Herbstkultur Anfang bis Mitte August ausgesät, wenn die Beete abgeerntet sind. Bei 20 cm Reihenabstand und 10 cm Abstand von Pflanze zu Pflanze reifen Teltower Rübchen in sechs bis acht Wochen bis Oktober heran.

Rübchen lagern auf einfache Art

Völlig unproblematisch lassen sie sich wie verschiedene Wurzelgemüse einlagern. Was man dazu braucht? Nur eine tiefe Obstkiste, sauberen, feuchten Sand und einen größeren Plastikbeutel zum Ausschlagen der Kiste, damit nichts herausrieselt.

Teltower Rübchen reifen draußen, bis stärkere Fröste zum Abernten zwingen. Dann wird das Laub abgetrennt. Gesunde Rüben schichtet man nun lagenweise so in den Sand, dass sie sich nicht berühren und sich keine Krankheiten verbreiten können.

Als idealer Aufbewahrungsort dient ein kühler Keller. Die leicht zugänglichen Kisten sind auch im vor Frost geschützten Schuppen, am Treppenaufgang oder im Gewächshaus gut untergebracht. Den ganzen Winter gibt es hieraus frisches Gemüse, denn auch karotinreiche Möhren, Herbstrüben, Rote Bete und Winterrettiche lassen sich so einlagern. Mit etwas Glück überstehen sie sogar fünf bis sechs lange Monate bis zum Mai.

Brigitte Stein

Informations- und Bezugsquellen

Teltower Rübchen gibt es in Samenfachhandlungen und in Gartencentern von:

Juliwa/Quedlinburger Saatgut
Neuer Weg 21
06484 Quedlinburg

HILD samen gmbh
Kirchenweinbergstr. 115
71672 Marbach am Neckar

Weitere Informationen erteilt der „Förderverein für das Teltower Rübchen

Auf der Suche nach Goethes Lieblingsgemüse

Nur wenigen Gemüsearten ist es vergönnt, literarische Bekanntheit zu erlangen. Dazu gehören Mairüben, denn Goethe persönlich pries sie in einem Brief an einen guten Freund als Leckerbissen. Allerdings sprach er noch von den Teltower Rübchen, seinerzeit eine Spezialität in und um Berlin. Namensgeber dieser kleinen Speiserübe ist das südlich von Berlin gelegene Städtchen Teltow.

Leider geriet Goethes Rübchen über die Jahre in Vergessenheit, so daß es heute fast nur noch von wenigen Liebhabern angebaut wird. Dennoch braucht man nicht auf Teltower Rübchen zu verzichten, denn mit der nahe verwandten Mairübensorte ‚Tokyo Cross‘ gibt es eine Sorte, an der auch Goethe seine kulinarische Freude gehabt hätte. ‚Tokyo Cross‘ bildet nämlich im Gegensatz zu den klassischen Mairüben, die im Rheinland als Stielmus bekannt sind, nur wenig Laub aus. Dafür aber entwickeln die Pflanzen zarte weiße Rübchen. Diese erinnern roh geschmacklich ein wenig an Radieschen, ohne jedoch deren beißende Schärfe zu haben.

Gekocht läßt sich ihr Geschmack am ehesten mit zartem Kohlrabi vergleichen. In der Küche sind die Verwendungsmöglichkeiten der Mairüben vielfältig. Man kann sie roh als Salat zubereiten, dabei zur Verfeinerung ein wenig feingehacktes Rübenlaub beifügen. Oder man schneidet sie in Scheiben, kocht sie einige Minuten in Salzwasser und schmort sie anschließend noch kurz in gebräunter Butter. Goethes Geheimtip war ein Teelöffel Zucker, mit dem man die Butter angebräunt hat. Im Garten stellen Mairüben nur geringe Ansprüche. Sie eignen sich sowohl für die Frühjahrs- als auch zur Sommersaat im Juli und August. Sie werden direkt an Ort und Stelle in Reihen ausgesät, den Rüben aus der Sommeraussaat bescheinigen Kenner den besten Geschmack.

Die Ernte beginnt, sobald die Rüben etwa den Umfang großer Radieschen erreicht haben. Meistens ist dies bereits 4 bis 5 Wochen nach der Aussaat der Fall. Man kann aber auch die Knollen nach und nach ernten, selbst größere Knollen bleiben noch zart und wohlschmeckend.

Weitere Informationen

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