Geschichte der Rübe

Posted on by

Die Kleinsten sind die Feinsten
Rüben kannten schon die Bauern, die sich zur Zeit der Landnahme im 13. Jahrhundert in der Mark Brandenburg ansiedelten. Sie fanden hier vierlerorts sandigen Boden vor, so auch im Gebiet zwischen den Flüssen Dahme und Nuthe südlich des von der Spree durchflossenen Urstromtals – der Landschaft, die man „den Teltow“ nannte.

Mitelalter
Wann und wo die ersten kleinen Speiserüben von diesem Boden gezogen wurden und ob sie eine Züchtung der Zisterzienser sind, bleibt im Dunkeln. Erste Nachrichten über einen recht verbreiteten Anbau gibt es aus der Zeit des Großen Kurfürsten.

Kur Fürst

Schon damals wurde eine besonders wohlschmeckende, sehr kleine Rübe mit dem Namen der Stadt Teltow verbunden. Dieser Winzling war von Feinschmeckern sehr begehrt und wurde deshalb bis in ferne Lande, so nach Lissabon, verschickt. Natürlich konnten sich nur sehr Wohlhabende einen solchen Aufwand für den Verzehr dieser Delikatesse leisten. Dort, wo sie wuchs, war sie ein bäuerliches Nahrungsmittel.

Zur Zeit Napoleons wurden die Rüben in französischen Adelskreisen, wo man sie als „navets de Teltow“ bezeichnete, wegen ihres pikanten Geschmacks sehr gelobt.

Napoleon

Daß auch unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe den eigentümlichen, so schwer zu beschreibenden Geschmack sehr liebte, beweist ein einziges Briefzitat: „zu unserer Danknehmigkeit sind die köstlichen Rübchen angelangt; sie behaupten auch diesmal ihre alten Tugenden.“

Goethe

Ein Jahrhundert später brachten die Teltower Bauern und Gärtner die inzwischen allerorts in Deutschland unter dem Namen „Teltower Rübchen“ wegen ihres Geschmacks bekannt gewordenen kleinen kegelförmigen Rüben tonnenweise in den Handel. Insbesondere wurden die Märkte in Berlin beliefert, wo die Rübchen zum Volksnahrungsmittel geworden waren.

Der relativ geringe Ertrag pro Fläche fiel deshalb damals nicht ins Gewicht, weil man den Anbau üblicherweise als Zweitfrucht vorzugsweise auf abgeernteten Roggenfeldern betrieb. Die Ernte zog sich über den ganzen Herbst hin, etwa acht Wochen nach der Aussaat beginnend, so daß die Rübchen auch noch als Beilage für den Weihnachtsbraten zur Verfügung standen. Es gab aber ein Problem, das sich zunehmend negativ auf den Anbau auswirkte. Die Ernte war nicht nur mit einem großen Zeitaufwand verbunden; denn die fest in der Erde sitzenden, breit ausgesäten Rübchen mußten einzeln herausgehackt werden. Diese Ernte war auch beschwerlich, weil man auf Knien über das Feld rutschen mußte. Wer wollte wohl für wenig Lohn noch diese Arbeit ausführen, als das Arbeitsangebot sich in diesem Raum durch die Industrieansiedlung auch für die ländliche Bevölkerung veränderte.

Feldarbeit

Mechanisierung war gefragt. Bevor aber diese Technik entwickelt worden war, änderte sich im Anbaugebiet die Landwirtschaftsstruktur. Aus Kleinbetrieben entstanden in der DDR große Genossenschaften, denen der Anbau eines Produktes in relativ kleinen Mengen wohl nicht gewinnbringend erschien. Folglich gab es in den letzten Jahrzehnten, abgesehen von den Hobbygärtnern, somit kein nennenswertes Marktangebot mehr. Nur den Liebhabern, die auch stets den Samen nachzogen, ist es zu verdanken, daß die 300-jährige Kontinuität des Anbaus der kleinen Teltower Rübchen nicht abriß.

Dem Auftrag des Teltower Heimatvereins folgend, versorgten die seit Jahresbeginn 1999 in einem Verein zusammegeschlossenen Betriebe und Hobbygärtner seit Herbst 1999 den Markt in der Region Teltow mit einem großen Angebot an Teltower Rübchen.

Rüben