Verein zur Erhaltung/Rekultivierung von Nutzpflanzen

Brassica rapa sativa mima teltoviensis ein großer Name für das kleine Teltower Rübchen.

Das kleine, unansehnliche märkische oder Teltower Rübchen wurde bereits im Mittelalter erwähnt. Bis zum Jahr 1711 wurde das weiße Rübchen nur von einigen wenigen Teltowern teils in Gärten, teils auf freiem Feld angebaut. Der Ertrag dieser wohlschmeckenden Rüben war so gering, daß man sie in Körben nach Berlin zum Verkauf trug.

Nachdem Teltow 1711 völlig niedergebrannt war, es waren nur 4 Häuser vom Feuer verschont geblieben, mußte man sich Gedanken machen, mit welcher „Industrie“ ein neuer Anfang gemacht werden könne.

Die Teltower erinnerten sich an das Teltower Rübchen, das sich in Geschmack und Aroma von anderen Rübchensorten unterschied. Hinzu kam, daß dieses Rübchen erst Ende August auf bereits abgeernteten Feldern (z.B. Roggenfeldern) gesät und ab Oktober bis in den Dezember hinein geerntet wurde.

Sie kultivierten das Rübchen mit viel Fleiß und Liebe und schon bald wurde es in Europa zu einer berühmten Delikatesse.

Mehr erfahren Sie über die wohlschmeckende Speiserübe mit würzigem Geschmack beim
Förderverein Teltower Rübchen
Schubertstr. 26
14513 Teltow
Telefon: 03328/30 22 26

Geschichte

So ließ sich Papst Pius IX. einige Fässchen schicken (die Rüben wurden in Fässern mit Sand oder Häcksel, ähnlich wie Eier, gelagert bzw. verschickt).

Auch Geheimrat Goethe wurde 1801 ein besonderer Freund dieses Leckerbissens. Sein Freund Zelter, Direktor der Berliner Singakademie, versorgte ihn ab Oktober jeden Jahres mit den echten Teltower Rübchen. 1813, als südlich von Berlin die sächsischen und napoleonischen Truppen zum Angriff auf die Stadt bereit standen und erst am 23. August von preußischen Truppen in der Schlacht bei Großbeeren ge-schlagen werden konnten, war an die pünktliche Aussaat der Rübchen natürlich nicht zu denken gewesen. Vermutlich deshalb konnte die Aussaat erst danach erfolgen, so daß sich der Erntebeginn bis in den November verzögerte und die begehrte Rübchensendung Geheimrat Goethe erst verspätet erreichte. Auch am Hof Napoleons in Frankreich und beim russischen Zaren in Moskau wollte man das Teltower Rübchen bald nicht mehr missen.

Aufgrund seiner inzwischen erlangten Berühmtheit wurde das Teltower Rübchen ein Gemüse, das im Wert mehr und mehr stieg, so daß es schließlich außerhalb Teltows und Berlins, wo es inzwischen zum Volksnahrungsmittel geworden war, nur zahlungsfähigeren Feinschmeckern vorbehalten blieb.

Den hohen Wert der kleinen unansehnlichen Rübe erkennend, versuchten im Umland Teltows einige Bauern, dieses kulinarische Kleinod nachzuzüchten, allerdings ohne den erhofften Erfolg. Es wurden dort zwar weiße Rüben geerntet, aber diese hatten nicht den pikanten Geschmack des Originals. Zahlreiche verschiedenartige Versuche, die „falschen“ Rübchen als Teltower zu veräußern, schlugen fehl. Die gleiche Erfahrung mußte auch der Dichter und Philologe J. H. Voß machen, der sich Samen der Teltower Rübe nach Heidelberg schicken ließ um es in dem günstigeren Klima und humushaltigen Boden anzubauen; auch hier wuchsen zwar Rüben, aber sie waren ihrer Größe und dem Geschmack absolut nicht mit der Teltower Rübe zu vergleichen. Das Teltower Rübchen braucht den kargen Sandboden, den es im GroßraumTeltow gibt und entwikkelt sich nur dort richtig.

In den 40 Jahren DDR-Geschichte verschwand das Teltower Rübchen vom Markt und wurde nur noch von einigen Rübchenbauern oder Hobbygärtnern angebaut. Für die LPGen war sowohl der Anbau wie auch die Ernte zu aufwendig. Der erforderliche Handarbeitsaufwand konnte nicht in einem vertretbaren Listenpreis festgelegt werden.

Der Verband „pro agro“ ließ 1993 die Marke „Teltower Rübchen“ beim Patentamt schützen.

Um diesen Schutz wirksam zu erhalten, sind viele Aktivitäten u.a. Original-Anbau und Marktpräsenz notwendig.

pro agro Marketingförderung durch das Land Brandenburg

Der im November 1998 gegründete Verein „Teltower Rübchen e. V.“ hebt in seiner Satzung den Schutz des Warenzeichens und die Wiederbelebung des Marktes hervor. Der Verein will den Originalanbau der Teltower Rübe sichern.

Als Anbaugebiete gelten die Gebiete im Großraum Teltow, die Kreise Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark bis nach Berlin (nördl. Anbaugrenze ist die Havel), also überall dort, wo die für die Zucht der Original Teltower Rübe erforderliche Bodenqualität vorhanden ist.

Der neue Anfang der Vermarktung der Teltower Rübchen wurde auf der „Grünen Woche“ 1999 gemacht. Die „Grüne Woche“ 2000 brachte wohl den Durchbruch. Bauer J. Jacobs aus Schäpe berichtete dort vom guten Umsatz auf der Messe. 1999 wurden auf seinen Feldern ca 65 t Teltower Rübchen geerntet und (auch mit Hilfe der Lebensmittelketten „Reichelt“ und „Edeka“) inzwischen gut verkauft.

Weitere Informationen erhalten Sie vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzplanzen in Brandenburg.